EMK

Und wenn wir ein Theaterstück schreiben würden... ?

31.01.2015 Anne Buers

Anne Buers, in sechsten Semester EMK und Mitglied des deutsch-französischen Autorinnenkollektivs Grandewelt, erzählt die Entstehungsgeschichte ihres Theaterstücks „La Guerre ne sera pas longue – Die Gefallenen“ über den Ersten Weltkrieg.

 

1. Juli 2014. Eine SMS von Alice, meiner Brieffreundin. An sich, nicht überraschend oder außergewöhnlich. Wir kennen uns jetzt seit mittlerweile drei Jahren und schreiben uns mehr oder weniger regelmäßig. Aber der Inhalt ist eher ungewöhnlich: Alice schreibt ein Theaterstück. Über den Ersten Weltkrieg. Spontane Reaktion: „Ah, ja..., ehm, okay..., mal sehen...“ Dem folgt ein längerer Mailaustausch, in dem Alice mir ihre Idee erklärt: Figuren, Szenen, die sie schon geschrieben hat und die sie sich vorstellt. Ich bin immer noch nicht ganz sicher, alles zu verstehen. 

6. September 2014. Ich fahre nach Paris, um einige Tage bei Alice zu verbringen, bevor die ernsten Dinge richtig anfangen; also das fünfte Semester in Lyon. Noch am selben Abend lässt Alice mich ihren „Anfang“ lesen – immerhin 30 Seiten. Der Text ist gut. Sehr gut sogar. Ich sehe die Figuren und Szenen vor mir; sie bringen mich zum Lachen, beinahe zum Weinen und manche Figuren würde ich gerne ohrfeigen. Es ist sehr beeindruckend. Damit hatte ich nicht gerechnet.

Am nächsten Tag treffen wir uns mit ihren theaterbegeisterten Freunden im sonnigen Cour Pasteur der École Normale Supérieure (ENS). Wir lesen die Szenen laut, die ich am Vorabend gelesen hatte. Das alles macht Lust, es auf die Bühne zu bringen und es der ganzen Welt zu zeigen – der Beginn eines Projekts, das in den nächsten Monaten viel größer werden wird, als wir es zu diesem Zeitpunkt ahnen. 

Ich lasse mich von Alice' Enthusiasmus anstecken und wir verbringen die restlichen Tagen meines Aufenthalts damit, über das Stück zu sprechen, weitere Figuren und Handlungsstränge zu erfinden, die nächsten Schritte zu organisieren, Menschen und Institutionen zu suchen, die uns unterstützen könnten.

5. Oktober 2014. Wir beschließen, keine weiteren Szenen zu schreiben. Der Text ist fertig. In der Zwischenzeit haben wir ausreichend Schauspieler_innen und auch einen Regisseur gefunden, die sich alle über die „finale“ Version des Textes freuen (die allerdings bis Januar noch des Öfteren geändert werden wird). Es folgt die Suche nach einem Titel für unser Stück; die Entscheidung, das Autorinnenkollektiv Grandewelt zu gründen; eine Internetseite; ziemlich viel organisatorische Arbeit (Finanzierung (die wir letztlich von PSL (Paris Sciences et Lettres) bekommen), Reservierung des Theaters der ENS – um nur zwei Beispiele zu nennen); mehrere Fahrten nach Paris meinerseits; viele Proben, unkontrollierbare Lachanfälle, Müdigkeit...

Das Ergebnis von all dem wird am 10. und 11. Februar im Theater der ENS zu bestaunen sein: 

 

La guerre ne sera pas longue - Die Gefallenen

 

Text : Grandewelt

Regie : Timothée Retailleau

Mit : Cyrielle Bernard, Nicola Bertoldi, Alice Billon, Chloé Blondel, Evariste Blondel,

Anne Buers, Annette Cazaubiel, Nicolas Delettre, Amandine Gignoux,

Victor Graziani, Andreas Mayer, Madeleine Miller, Axel Torre.

Technik : Raphaël Saint-Jalm.

Im ehrwürdigen Theater der ENS lernen wir die Hoffnungen, die Zweifel und die Leiden einer Generation kennen, die in die Katastrophe hineinstolpert, die bald „Erster Weltkrieg“ genannt wird. Die Familien Deffayet und Lefèbvre öffnen uns ihre Wohnzimmer, nehmen uns mit in die Schützengräben und lassen uns spüren, wie sehr wir Ihnen heute - immer noch - nahe sind.

La guerre ne sera pas longue - Die Gefallenen wurde in zwei Sprachen, mit vier Händen geschrieben und dem Herzblut fünfzehn junger Menschen zum Leben erweckt.  Die Aufführungen im Theater der ENS am Dienstag, 10. Februar, und Mittwoch, 11. Februar,jeweils um 20h30 sollten Sie besser nicht verpassen!

 

Der Eintritt ist frei.

Reservierung empfohlen: laguerreneserapaslongue@gmail.com

 

Adresse des Theaters:

École Normale Supérieure

45, rue d’Ulm

75005 Paris.

 

Öffentliche Verkehrsmittel:

Metro 7 (Censier-Daubenton ou Place Monge), 10 (Cardinal Lemoine),

RER B (Luxembourg),

Bus 21 et 27 (arrêt Feuillantines), 89 et 84 (arrêt Panthéon), 38, 82 (arrêt Luxembourg)…

 

Weitere Informationengrandewelt.wordpress.com/